Jubiläumsfeier Frauenhaus Norderstedt: Forderung nach mehr Schutz für Frauen vor Gewalt

V.l.: Silke Schiller-Tobies (Staatssekretärin Sozialministerium SH), Marion Gerdes (Leiterin Frauenhaus Norderstedt), Andrea Makies (Geschäftsführerin Diakonisches Werk HH/SH)
Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelschicksal, sondern ein weitverbreitetes gesellschaftliches Problem. Das zeigen unter anderem die gerade veröffentlichten Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA). Auch im Frauenhaus Norderstedt ist die Nachfrage von schutzsuchenden Frauen anhaltend hoch. Zum 10. Jubiläum des Frauenhauses am jetzigen Standort fordern Leitung und Träger eine Stärkung des Hilfsangebots.
„Unsere Plätze im Frauenhaus sind fast durchgehend belegt“, sagt Marion Gerdes, Leiterin des Frauenhauses Norderstedt. „Dieses Jahr konnten wir über 550 Frauen und ihre Kinder nicht aufnehmen, weil wir nicht genug Platz hatten. Um dem Bedarf gerecht zu werden, brauchen wir dringend mehr Frauenhausplätze und die Finanzierung des Schutzangebots muss gesichert sein. Gewalt gegen Frauen kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Dem muss auch durch verstärkte Prävention entgegengewirkt werden.“
Silke Schiller-Tobies, Staatssekretärin im Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein sprach ein Grußwort bei der Jubiläumsfeier: „Ich danke allen, die in den vergangenen zehn Jahren dazu beigetragen haben, dass Frauen und Kinder in dieser Einrichtung Schutz gefunden haben. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert. Wir würdigen heute nicht nur ein Haus, sondern ein Stück gelebte Menschlichkeit. Das Frauenhaus Norderstedt ist ein Bekenntnis dazu, dass der Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist – und dass wir als Land diese Verantwortung tragen und wahrnehmen.“
Deshalb werden in den kommenden Jahren 30 Millionen Euro aus Bundesmitteln einsetzen, um weitere 200 Frauenhausplätze in Schleswig-Holstein zu schaffen, so die Staatssekretärin. Zugleich soll die Prävention gestärkt und die Aufklärung gefördert werden.
„Der erschreckende Anstieg von frauenfeindlichen Straftaten zeigt, wie groß der Handlungsbedarf beim Schutz von Frauen ist“, sagt Andrea Makies, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Hamburg-West/Südholstein, das Träger des Frauenhauses ist. „In Hamburg haben wir mit der Eröffnung des Psychosozialen Frauenhauses Kumi eine Lücke im bisherigen Schutzangebot geschlossen. Es richtet sich an gewaltbetroffene Frauen mit psychischen Erkrankungen und ist mit diesem Konzept bundesweit einzigartig. Das Netz an Hilfsangeboten muss dringend weiter ausgebaut werden. Politik und Gesellschaft müssen deutlich machen, dass Gewalt gegen Frauen nicht toleriert wird. Wir tragen gern unseren Teil dazu bei.“
10 Jahre Frauenhaus Norderstedt am jetzigen Standort
Seit nunmehr 10 Jahren bietet das Frauenhaus Norderstedt am jetzigen Standort unzähligen Frauen und Kindern in akuten Gewaltsituationen Schutz, Sicherheit und neue Perspektiven. Eröffnet wurde das Frauenhaus an seinem ursprünglichen Standort bereits im Jahr 1980 von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF). Seit 1985 befindet es sich in der Trägerschaft der Evangelischen Kirche beziehungsweise des Diakonischen Werkes. 2015 erfolgte der Umzug an den aktuellen Standort.
Deutlich mehr Gewalt gegen Frauen registriert
Laut dem aktuellen Lagebericht des BKA nimmt die polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen weiter zu. 2024 wurden fast 190.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt. Das sind 3,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei den Sexualstraftaten gab es einen Anstieg von 2,1 Prozent gegenüber 2023. 308 Frauen und Mädchen wurden getötet – die meisten durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder.
Foto: Inga Koch
