Nach 37 Jahren Arbeit in der Suchthilfe: Frank Craemer geht in den Ruhestand

Im Jahr 1988 war Deutschland noch geteilt, Helmuth Kohl war Bundeskanzler und wir zahlten mit der D-Mark. In diesem Jahr fing Frank Craemer beim Lukas Suchthilfezentrum Hamburg-West an (damals noch Beratungs- und ambulante Behandlungsstelle für Suchtkranke Osdorfer Born) – zunächst als sozialpädagogischer Praktikant. Später wurde er Suchtberater, dann Therapeut. Seit 2005 leitete er die Einrichtung. Jetzt verabschiedet er sich in den wohlverdienten Ruhestand.
„Es war für mich immer wieder beglückend, zu sehen, wie sich auch schwerstsuchtkranke Menschen positiv entwickelt haben und dann ohne Suchtmittel leben konnten“, sagt Frank Craemer. „Die Erfolgsraten einer Suchttherapie sind viel besser, als man allgemein vermutet.“
Um den Betroffenen bestmöglich helfen zu können, setzte sich der gebürtige Schenefelder dafür ein, das Beratungs- und Therapieangebot des Lukas Suchthilfezentrums unablässig weiterzuentwickeln und zu professionalisieren. Die Einrichtung ist staatlich und von allen Kostenträgern anerkannt. Seit 2016 ist sie extern zertifiziert. Dazu wird jährlich das Qualitätsmanagement der Einrichtung als medizinische Rehabilitationseinrichtung überprüft und bestätigt.
Pro Jahr werden im Lukas Suchthilfezentrum über 1.000 Suchtmittelabhängige beraten, betreut und behandelt. Klient*innenbefragungen ergeben eine sehr hohe Zufriedenheit.
„Der Trend ist, dass Suchtmittelabhängige nicht mehr nur von einem Suchtmittel abhängig sind, sondern mehrere Suchtmittel gleichzeitig konsumieren, also z.B. Alkohol und Cannabis“, sagt Frank Craemer. „Außerdem gibt es immer mehr Verhaltenssüchte, also den übermäßigen Gebrauch von Glücksspiel, Handy und Internet.“ Entsprechend sorgte er als Einrichtungsleitung dafür, das Hilfsangebot auch für diese Suchtformen zu erweitern.
Die größten Herausforderungen waren für Frank Craemer der Umgang mit Bürokratie und begrenzten finanziellen Ressourcen. Der Bedarf an Suchtberatung und Therapie ist groß, wodurch sich zum Teil lange Wartezeiten ergeben.
Als Anerkennung seiner Verdienste bekam der Sozialpädagoge und Psychotherapeut zu seinem 30. Dienstjubiläum das Goldene Kronenkreuz der Diakonie verliehen.
„Du hast deinen Job sehr ernst genommen, immer versucht, uns fachlich voranzubringen“, sagt Andrea Makies, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Hamburg-West/Südholstein, das Träger der Einrichtung ist. „Du warst immer freundlich und moderat im Umgang, immer wertschätzend. Da verwundert es nicht, dass deine Mitarbeitenden sich dich mal als Leitung ausgesucht haben.“
Tatsächlich wünschte sich das damalige Team des Suchthilfezentrums vor über 20 Jahren Frank Craemer in einem Schreiben ausdrücklich als Leitung.
Mit seinem Ruhestand übernimmt seine bisherige Stellvertreterin Susan Mehlhorn die Leitung der Einrichtung.
„Du hinterlässt Spuren – tief, warm und voller Haltung“, sagt Susan Mehlhorn bei Frank Craemers Abschiedsfeier. „Ich durfte vier Jahre an deiner Seite arbeiten. Vier Jahre, in denen ich dich als jemanden erlebt habe, der mit einer beeindruckenden Klarheit und einem sehr hohen Anspruch unser Lukas führt. Du hast alles mit mir gemeinsam entschieden. Das hat mich wachsen lassen.“
Und wie fühlt sich so ein Abschied nach 37 Jahren an?
„Obwohl ein Abschied auch immer etwas Trauriges hat, überwiegt bei mir eindeutig die Freude auf den neuen Lebensabschnitt und das Mehr an freier Zeit für die schönen Dinge im Leben“, sagt der 64-Jährige. Dazu gehören seine Familie und Freunde, vor allem seine vier Enkelkinder, und seine zahlreichen Hobbys: Fahrradfahren, Golf spielen, Gartenarbeit und Standard-Tanzen.
Wir wünschen ihm viel Freude dabei!
