„Frauen_Wohnen“ zieht Bilanz

Gesucht: bezahlbare Wohnungen für Frauen

Das Frauenhaus Norderstedt soll Frauen und ihren Kindern, die unter häuslicher Gewalt leiden, kurzfristig Zuflucht gewähren. Das werde immer schwerer, sagt Anita Brüning, die Leiterin. „Wir finden kaum Wohnraum für Frauen und ihre Kinder, sie wohnen deshalb viel länger im Frauenhaus als erforderlich.“

Seit einem Jahr schafft das Projekt „Frauen_Wohnen des Landesministeriums für Gleichstellung Abhilfe. Das Diakonische Werk Hamburg-West/Südholstein und das Diakonische Werk Rantzau-Münsterdorf haben die Trägerschaft für die „Regionale Servicestelle“ in Pinneberg und Elmshorn übernommen. Zwischen April 2018 und März 2019 konnten 14 Wohnungen vermittelt werden.

 

Sicherheit für Wohnungssuchende und Vermieter

In der Servicestelle arbeiten die Sozial-Pädagogin Anja Valentin und der Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft Michael Pobloth: „Wir entlasten Frauenhäuser, indem wir die wohnungssuchenden Frauen beraten und ihnen helfen, notwendige Unterlagen zusammenzutragen. Wir betreuen die Klientinnen auch nach dem Einzug: damit sie vollkommen psychisch genesen können. Wohnungsinhabern geben ebenfalls wir Sicherheit: Wir stehen auch nach der Vermietung als erste Ansprechpartner bei möglichen Konflikten zur Verfügung.“

Das Projekt ist bisher auf fünf Jahre begrenzt. Das Angebot hat sich herumgesprochen und wird gut angenommen. Der Bedarf ist also definitiv hoch.

Kontakt:

Servicestelle Region Pinneberg, Wedel, Norderstedt: Tel. 04101 – 852 80 30

 

„Wir bauen Hürden ab“

Michael Pobloth, Regionale Servicestelle Pinneberg, über die Arbeit von Frauen_Wohnen

 

Wie viele Wohnungen konnten Sie im ersten Jahr des Bestehens vermitteln?
Insgesamt 14 Wohnungen zwischen April 2018 und März 2019.

Welche Frauen oder Familien haben eine Wohnung erhalten?
Viele haben einen Migrationshintergrund, ein größerer Teil der Frauen hat Kinder. Fünf Frauen ohne Kinder haben wir vermittelt sowie neun Frauen mit einem bis vier Kindern.

Welchen örtlichen Umkreis bearbeiten Sie für dieses Projekt?
Wir vermitteln Wohnungen im südlichen Umfeld des Kreises Pinneberg, die Servicestelle in Elmshorn im nördlichen Teil des Kreises Pinneberg. Wir vermitteln Wohnraum zum Beispiel in den Städten Pinneberg, Norderstedt und Wedel.

Mit wem kooperieren Sie oder erhalten Tipps?
Anfragen für wohnungssuchende Frauen kamen von der Frauenberatungsstelle in Pinneberg, von Frauenhäusern in der Serviceregion und von zwei Frauenberatungsstellen im Kreis Lübeck und im Kreis Neumünster für Frauen, die z. B. nach Wedel ziehen wollen.

Genossenschaften haben sich als sehr kooperativ gezeigt, zum Beispiel die „Wankendorfer Baugesellschaft“, auch die Baugenossenschaft „Neue Lübecker“, die mit Wohnraum in Norderstedt und Kaltenkirchen vertreten ist. An die „Neue GeWoGe“ in Pinneberg haben wir ebenfalls eine Klientin vermittelt.

Wir arbeiten darüber hinaus mit den Regionalen Servicestellen von Frauen_Wohnen in Schleswig-Holstein zusammen, die Wohnungen in unserem Einzugsgebiet suchen. So unterstützen wir uns als Servicestellen gegenseitig. Auch die Kolleg*innen der Wohnungslosenhilfe in Pinneberg unterstützen uns fachlich und mit ihrer Kenntnis des lokalen Wohnungsmarktes.

Wo liegen die Chancen des Projektes?‘
Die Chancen liegen vor allem in der leichten Zugänglichkeit der Beratung und der Brückenfunktion, die sie zwischen den Frauen und den potentiellen Vermietern einnehmen können. Die Suche nach einer Wohnung ist oft mit hohen Hürden versehen. Durch das Projekt werden sie Schicht um Schicht abgebaut. Auf diese Weise ist uns schon manche Vermittlung möglich geworden.

Wo rechnen Sie mit Problemen?
Der Wohnungsmarkt ist extrem angespannt. Berufstätige suchen auf dem gleichen Wohnungsmarkt wie Leistungsempfänger. Bei Alleinerziehenden haben Vermieter oft Angst vor Mietausfällen. Für Frauen mit Migrationshintergrund sind die Formalitäten bei Behörden und Vermietern oft sprachlich eine Hürde. Hier können wir helfen.

Welchen Bedarf haben Sie 2019?
Eine Prognose ist noch zu früh, aber der Bedarf steigt weiterhin an. Wir haben allein in unserer Servicestelle elf Klientinnen, die eine Wohnung suchen. Unser Angebot hat sich herumgesprochen und wird gut angenommen. Der Bedarf ist also definitiv hoch.

Interview: Cornelia Strauß

Kontakt: Servicestelle Region Pinneberg, Wedel, Norderstedt: 04101 – 85 28 03 0.

 

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