Silvia Linz über das psychische Erbe von Kriegen

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Silvia Linz, Foto: C. Strauß

„ Nachkriegskinder, die den Krieg nicht erlebt haben, können emotional aufwühlende  Erzählungen ihrer Mütter von brennenden Städten oder ihrer Väter von der Todesangst an der Front oder im engen U-Boot unter dem Meeresspiegel so intensiv nacherleben, dass sie die damalige Angst und Hilflosigkeit der Eltern ebenfalls speichern.“ Das sagte Silvia Linz  in den Blankeneser Gesprächen vor fast 100 Zuhörern. „Die Bilder der Not und Panik können sich bei den Kindern emotional tief einprägen – und damit tragen sie posttraumatische Belastungen ihrer Eltern weiter.“ Gebannt lauschten die Zuhörer der psychologischen Psychotherapeutin.

Silvia Linz sprach am 14. März 2017 über psychische Auswirkungen und die Weitergabe von Kriegserfahrungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg an nachfolgende Generationen.

Individuelle Wege zur Heilung

Fast ebenso viele Männer wie Frauen waren zu dem Vortrag gekommen, Kriegskinder im Alter von 70plus, auch einige Kriegsenkel. Sie diskutierten mit der Psychologin über Heilungsmethoden für ihre individuellen seelischen Wunden. Verstärkt treten sie 70 Jahre nach Kriegsende auf. „ Kriegskinder und Kriegsenkel können psychische Belastungen aus ihrer Kindheit lindern,“ betonte Silvia Linz,  „doch Weg ist immer individuell, und jeder Betroffene muss die eigene passende Form finden.“  Die Psychologische Psychotherapeutin Linz berücksichtigt diese Erkenntnisse auch im Therapeutischen Hof Toppenstedt, einer Einrichtung des Diakonischen Werks Hamburg-West/Südholstein für Patienten mit einer Abhängigkeitserkrankung durch illegale Drogen. Linz: „Auch hier können belastende kriegsbedingte Erlebnisse der Familien die Patientinnen und Patienten beeinträchtigt haben.“ Darüber zu sprechen lohnt sich für die Betroffenen –  in den  Blankeneser Gesprächen haben sie die Möglichkeit dazu wahrgenommen. Cornelia Strauß

 

www.diakonie-hhsh.de

www.hof-toppenstedt.de

 

 

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