Wohnen und Arbeit in Norderstedt vor dem Aus?

Diakonie will Obdachlosenprojekt retten

Wie fast überall fehlt auch in Norderstedt bezahlbarer Wohnraum. Der Umgang mit Mietern werde rauer, berichtet Bernd Schmidt-Stamer, Leiter des Projekts „Wohnen und Arbeit“. Die Notunterkunft am Langenharmer Weg ist voll. „Es kommen nicht mehr nur die Männer ab vierzig, sondern vermehrt Frauen und junge Leute von Anfang zwanzig.“ Schon wer zweimal seine Miete nicht zahle, werde aus der Wohnung geklagt. Meist seien aber gescheiterte Beziehungen der Grund für den Wohnungsverlust. Wer ausziehen müsse, hätte kaum Chancen, etwas Neues zu finden. „Die Lage ist fast hoffnungslos, wenn jemand verschuldet ist, womöglich suchtkrank oder an einer psychischen Erkrankung leidend.“ Dann wirke der Teufelskreis „keine Arbeit, keine Wohnung, keine Arbeit“.

Jeder hat eine Chance verdient

2015 starteten die Stadt Norderstedt, der Kreis Segeberg, die Arbeitsagentur, die DEKRA und die Diakonie Hamburg-West Südholstein das Projekt „Wohnen und Arbeit“, um den Teufelskreis zu unterbrechen. Zwei Sozialarbeiter suchen unter ihren Klienten zehn geeignete Kandidaten, die besonders gefördert werden. 18 Monate lang leben sie in zwei Wohngemeinschaften, bereiten sich in einer Übungsfirma der DEKRA auf den Arbeitsalltag vor und sollen dann eine Wohnung und eine reguläre Arbeit gefunden haben.
„Wir hören oft, das sei aussichtslos. Die meisten Obdachlosen seien zu tief gefallen. Als Christ kann ich das nicht so sehen. Jeder hat eine Chance verdient, und eine zweite und dritte“, betont Bernd Schmidt-Stamer.
Arbeit sei relativ leicht zu finden, berichtet sein Kollege Christoph Ziaja. Aber es fehlten günstige Wohnungen. Der ohnehin starke Konkurrenzkampf nehme zu, seit auch Flüchtlinge Wohnungen suchen.

Diakonie will das Projekt fortsetzen

Das Projekt bringe knapp die Hälfte der Klienten in Arbeit. Weit mehr als das Jobcenter schafft. Wenn die Betroffenen dann keine Wohnung finden, müssen sie zurück in die Unterkunft. Das sei bitter. Zwei Sozialarbeiter, die sich um zehn Klienten kümmern. Das klingt komfortabel. Bernd Schmidt-Stamer ist nur mit neun Wochenstunden dabei, Christoph Ziaja mit 30 – sie teilen sich eine Stelle. Vielleicht nicht mehr lange, denn das Projekt ist bis Ende 2018 befristet. Die Diakonie will die Fortsetzung. Darauf hoffen die beiden: „Die Leute brauchen die Gewissheit, dass sie nicht wieder ins Bodenlose fallen. Und für uns wäre ein bisschen Planungssicherheit auch gut.“
Zum Schluss wagen die beiden eine Prognose. Das große soziale Problem der nahen Zukunft werde die Obdachlosigkeit. Besser als das Projekt sei deshalb nur eines: der Bau bezahlbarer Wohnungen.
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