Marion Laux von MAhL ZEIT über Spenden

Jede Spende will erkämpft sein

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„Kannst du mal abschmecken, da fehlt noch Würze,“ bittet Marion Laux ihre Kollegin nach der Sauce Bolognese zu sehen, während sie den Kochlöffel neben den großen Topf legt und sich schon dem Gast widmet. Wie sie das macht mit den Spendern? Na, genauso: sie nimmt sich Zeit, lässt alles stehen und liegen und ist für ihre Besucher da. “Wer hier spendet, kommt meist persönlich vorbei. Die Leute wollen wissen, wofür wir das Geld oder die Sachleistungen verwenden,“ erklärt die Leiterin der MAhL ZEIT in Hamburg Altona. „Und das sollen sie auch.“

Gemeinsames Essen wirkt sinnstiftend

Die 56-Jährige leitet die Tagesstätte für Obdachlose von Anfang an. Und von Anfang an war klar, was hier läuft, muss durch Spenden finanziert werden. Miete, Nebenkosten und Gehälter sind gesichert. Trotzdem beginnt jedes Jahr mit einem Haushaltsloch von 40.000 Euro. Im Treppenhaus war mir ein Schild aufgefallen. Der Text bat, dort keine Spenden abzulegen. „Nachbarn legen Lebensmittel einfach so in den Flur. Das vergammelt dann und zieht Tiere an,“ begründet Frau Laux den Hinweis. „Manche stecken den Besuchern auch am Eingang etwas zu. Das sehen wir nicht so gern. Wir bieten hier einen häuslichen Rahmen für die Mahlzeiten. Das ist wichtig für Menschen, die kein zu Hause haben. Das gemeinsame Essen wirkt sinnstiftend.“

100 bis 140 obdachlose Besucher kommen täglich, um hier zu essen. Viele nutzen das MAhL ZEIT als Meldeadresse. Sie können Wäsche waschen und sich duschen. Marion Laux ist eine Art Mutter der Kompagnie. Alles hört auf ihr Kommando. Sie ist sich aber nicht zu schade, einzuspringen, wenn Not an der Frau ist. Deshalb stand sie eben noch am Herd. Das Team braucht Verstärkung und wegen der Ferien auch ehrenamtliche Helferinnen. Insgesamt sei es aber nicht schwer, hilfsbereite Menschen zu finden. Das liegt sicher mit am Umgangston, der ist nicht rauh, aber immer herzlich.

Marion Laux beherrscht auch die leisen Töne. Manchmal tauscht sie Jeans und Karohemd gegen ein Kostüm. So geht sie zu Empfängen und webt an ihrem Netz von Geldgebern, zu denen bekannte Hamburger Firmen und Stiftungen gehören. Die Fördererliste der MAhL ZEIT ist lang.

Mehr Solidarität mit Obdachlosen

Foto: Stefan Moes

Ein Rentner bringt ein paar Plastiktaschen mit Klamotten. Er kommt regelmäßig. Selbstverständlich nimmt sich Marion Laux Zeit für die neusten Berichte aus der Laufgruppe des Mannes, von der die Sachen stammen. Manche Leute denken, Obdachlose brauchen was gegen Kälte. Sie bringen dann verfilzte Pullover und Hosen mit Farbflecken. „Es ist genau anders herum. Wer auf der Straße lebt, braucht dunkle Kleidung, die gut aussieht. Die Kleidung ersetzt schließlich die eigenen vier Wände.“

Viele SpenderInnen hätten kleine Renten und müssten selbst mit wenig auskommen, weiß die Einrichtungsleiterin. Die Solidarität mit Menschen ohne Wohnung sei in den letzten Jahren gewachsen. Vor allem junge Menschen engagierten sich. Inzwischen versperren Taschen den Zugang zum Schreibtisch der Chefin. „Sehen Sie, so ist das bei uns“, ruft sie. „Nur so geht´s.“ Beim Blick auf die Finanzlücke am Jahresanfang wird Marion Laux schon lange nicht mehr nervös.                sm, Foto M. Laux: Michaela Kaiser/Foto Büro: sm

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